Sei doch nicht immer so selbstbewusst!

Neulich führte ich mit einem Freund eine unserer üblichen Pseudo-Streit-Diskussionen. Wir haben viel Spaß daran, unsere – manchmal doch sehr unterschiedlichen – Positionen in kleinen Wortgefechten zu verteidigen.

Als ich nachdrücklich auf meine Meinung bestand, sagte er zu mir:

„Sei doch nicht immer so selbstbewusst!“

Meine Entgegnung darauf lautete:

„Wem ist denn damit geholfen?“

Was uns beide zum Lachen gebracht hat, beschäftigte mich im Nachhinein doch noch eine Weile. Ich habe mir die Frage gestellt:

Was bedeutet denn überhaupt Selbstbewusstsein?

Nun, zunächst einmal genau das, was das Wort ausdrückt, nämlich mir meiner SELBST BEWUSST sein. Das heißt, um bei meinem Beispiel von oben zu bleiben, dass ich mir zu einem Thema eine eigene Meinung gebildet habe. Wenn mich mein Gegenüber nicht mit seinen Argumenten davon überzeugen konnte, dass es sich für MICH richtig anfühlt, dann verteidige ich meinen Standpunkt mit SELBSTBEWUSSTSEIN.

Dabei ist mir durchaus klar, dass es nicht unbedingt darum geht, ob nun die Ansicht des Anderen, oder meine eigene die Richtige ist. Wie so oft liegt die Wahrheit, wenn es sie überhaupt gibt, vielleicht in der Mitte. Aber das, was für mich stimmig ist, nehme ich wahr. Und wenn es darauf ankommt, verteidige ich meine Überzeugung mit einer Kraft, die sich förmlich durch meinen ganzen Körper zieht. Wenn ich daran denke, stehe ich aufrecht und mit erhobenem Kopf, schaue meinem Gegenüber in die Augen und rede mit klarer, fester Stimme. Dabei bin ich weder aggressiv, laut, oder verletzend. Ich fühle mich stark wie ein Baum, dessen Äste sich im Wind hin und her bewegen, der aber so sehr im Boden verwurzelt ist, dass er nicht umfallen kann.

Ich gebe zu, nicht immer fiel es mir so leicht, zu meiner Meinung zu stehen. Zum Einen, weil ich zu den Menschen gehöre, die versuchen, sich in die Denkweise der Anderen zu versetzen. Ich beleuchte ein Thema von verschiedenen Seiten, um möglichst alle Argumente für ein Für, oder ein Wider, nachvollziehen zu können. Das macht mich zu einem wunderbaren, toleranten Vermittler. Aber – vor lauter Verständnis für mein Gegenüber, fiel es mir dann oft schwer, eine eigene Position zu beziehen. Zum Anderen habe ich lange an meiner eigenen Kompetenz, Intelligenz und dem Wert meiner eigenen Meinung gezweifelt. Wer war ich denn schon, dass es mir zustand jemandem, der vehement seinen Standpunkt vertrat, Paroli zu bieten? Damals hatten solche Diskussionen für mich oft etwas Bedrohliches. Ich hatte Herzklopfen, fühlte mich klein und unzulänglich und unsicher. Ich traute mich kaum, etwas zu sagen und wenn, dann mit wenig Nachdruck in der Stimme. Bevor ich etwas Falsches sagte, schwieg ich lieber. Ich war genau das Gegenteil von selbstbewusst, nämlich voller SELBST-ZWEIFEL. Aber auch das konnte ich ganz BEWUSST wahrnehmen.

Wie gelingt es mir heute selbstbewusst aufzutreten?

Das war ein längerer Lernprozess. Und eine Mischung aus vielen Maßnahmen und Erkenntnissen.

Zum Beispiel habe ich mich daran erinnert, dass ich mich früher genauso klein und hilflos gefühlt habe, wenn ich eine lautstarke Predigt meiner Mutter über mich ergehen lassen musste. Meist war mir klar, dass sie nicht zu Unrecht mit mir schimpfte. Also habe ich das hingenommen, nach dem Motto: ‚Du bist ja selber schuld.‘ Irgendwann war ich es so gewohnt, keine Widerrede geben zu dürfen, dass ich es selbst dann nicht gewagt habe, wenn ich ungerecht behandelt wurde. Ich erkannte, dass ich oft noch immer in meiner Kinderrolle feststeckte.

Mir hat geholfen, mir BEWUSST zu sagen, dass ich heute eine erwachsene Frau bin, die sich von anderen Menschen nicht von oben herab behandeln lassen muss, sondern ihnen auf Augenhöhe begegnen darf.

Wenn ich jetzt auf Personen stoße, die meinen, mich arrogant und wie ein unmündiges Kind behandeln zu müssen, helfen mir zwei Dinge:

  1. Das WISSEN, dass sich hinter arroganten Verhalten ganz viel Unsicherheit versteckt.
  2. HUMOR! Die Vorstellung, wie sich das ganze vermeintliche „SELBTBEWUSSTSEIN“ meines Gegenübers in Wohlgefallen auflöst, wenn ihm plötzlich die Hose, oder der Rock platzt und er/sie, mir in Unterhosen gegenübersteht, lässt ihn/sie gleich viel weniger bedrohlich erscheinen. Alternativ kann man sich vorstellen, dass ihm/ihr eine Nudel an der Backe klebt.

Du kennst den guten alten Sketch mit der Spaghetti, von Loriot?

Herrlich – Es hilft! Probiere es beim nächsten Mal aus.

Dann habe ich mich daran gemacht meine negativen Glaubenssätze aufzuspüren.

Unglaublich, was wir da so alles mit uns herumschleppen! Kennst Du auch solche Überzeugungen wie: „Ich bin zu dumm“, „Ich bin wertlos“, „Ich darf keine eigene Meinung haben“, ich zu…, oder, „ich bin nicht … genug“.

Wenn wir uns die Zeit nehmen, BEWUSST in uns hineinzuhören, begegnen wir einem wahren Gruselkabinett von Monster-Gedanken.

Aber zum Glück gelingt es, diese Ungeheuer zu vertreiben und durch liebenswürdige Seelen-Streichler-Sätze zu ersetzen.

Mach Dich auf die Suche nach Deinen inneren Überzeugung über Dich und achte darauf, was Du über Dich denkst.

Wann immer Du eine negative Meinung über Dich wahrnimmst, verkehre sie ins Gegenteil.

Wenn Du Dich beispielsweise das nächste Mal dabei ertappst zu denken: „Ich bin ja sowieso nicht gut genug und kann mich nicht geschickt ausdrücken“, dann mach daraus:

„Ich bin gut genug und kann sicher und selbstbewusst auftreten.“

Vielleicht wehrt sich dann auch etwas in Dir und Du hörst es leise in Deinem Kopf flüstern: „Stimmt doch gar nicht! Willst Du Dich jetzt selbst verarschen?“

Dann wandele den Satz so ab, wie er sich stimmig anfühlt. Das könnte zum Beispiel sein, indem Du sagst:

„Auch, wenn ich manchmal an mir zweifle, bin ich davon überzeugt, dass ich in der Situation XY souverän bleibe und die richtigen Worte finde!“

Es gehört einige Übung und auch Geduld dazu. Versuche es täglich ein paar Mal. Mach es Dir zur Gewohnheit.

Vielleicht erschreckt es Dich am Anfang etwas, wenn Du merkst, wie oft Du tatsächlich so gnadenlos über Dich urteilst. Mach Dir deswegen keine Sorgen! Das geht uns fast allen so. Aber es muss nicht so bleiben 🙂

Ich kann Dir versprechen, wenn Du anfängst liebevoll und positiv über Dich zu denken, wirst Du merken, dass sich vieles ändern wird!

Vor allem das:

Du fühlst Dich besser und die Menschen werden Dich mit mehr Respekt behandeln!!!

Weil sie Deine innere Stärke und Verbundenheit mit Dir spüren.

Und vielleicht sind es schon bald die Anderen, die so über Dich denken:

„Hey, die ist aber selbstbewusst!“

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Wie sind deine Erfahrungen?

Hast du ähnliches auch schon erlebt?

Wie hat sich das auf dich und die Menschen in deinem Umfeld ausgewirkt?

 

Ich freue mich auf deine Antwort.

 

Herzliche Grüße von Frau zu Frau

Claudia

 

 

 

 

 

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