Meine 11 besten Tipps, zum Umgang mit arroganten Menschen

Triffst du auch manchmal auf Menschen, die dir das Gefühl geben, dass du ein ganz kleines Licht bist? Plötzlich kannst du nicht mehr sprechen, fühlst dich überfahren und ungerecht behandelt. Hinterher ärgerst du dich darüber, dass du dich nicht gewehrt hast, deine Meinung nicht gesagt hast, oder dir die passende Antwort erst eine halbe Stunde später einfällt. Wenn du den Eindruck hast, dass du immer wieder von Arroganzlingen umgeben bist, die dir das Leben schwer machen wollen, dann lohnt es sich, mal genauer hinzuschauen.

Vor einiger Zeit war ich Teilnehmerin bei einem 2-tägigen Wochenend-Aufstellungsseminar. Mich fasziniert systemische Arbeit und ich nehme sehr gerne an Aufstellungen teil. Denn selbst als Zuschauer, oder in einer Stellvertreter-Rolle, gibt es so manchen Aha-Effekt. So auch diesmal.

Zwar repräsentiert man in den Rollen eine andere Person, aber natürlich haben sie immer etwas mit einem selber zu tun. Ich werde sehr oft als Stellvertreterin für eine Mutter gewählt. Meistens stellt sich heraus, dass es um Mütter geht, die aufgrund ihrer eigenen Verletzungen nur einen schweren Zugang zu ihren Gefühlen haben und keine wirkliche Nähe zu ihren Kindern zulassen können. Ein Verhalten, dass ich durchaus von mir kenne. Es hat mich viel Zeit, viele Sitzungen, Coachings, Arbeit und Tränen gekostet, endlich mit den schmerzlichen Erfahrungen aus Kindertagen abschließen zu können.

Trotzdem – oder auch gerade deswegen – befinde ich mich immer wieder genau in dieser Rolle. Allerdings dann meistens im Zusammenspiel mit einer Tochter. Die hatte ich nie.

Ich stehe also meiner „Tochter“ mit ziemlicher Distanz gegenüber, sie schaut mich an und sagt dann: „Sie schaut so arrogant!“. Als Stellvertreterin der Mutter hat mich das sehr getroffen. Gleichzeitig war ich gefangen in einem Dilemma. Einerseits bedauerte ich es, dass sie sich so abgelehnt fühlte, andererseits war es mir nicht möglich, sie liebevoll annehmen zu können. Im weiteren Prozess gelang es, die Ursachen bei der Mutter zu finden, die Verantwortung an die richtigen Stellen abzugeben und heilsame Sätze zu sprechen, die halfen, die Kluft der beiden Frauen zu überwinden. Zum Schluss lag sie in meinen Armen und ich konnte all meine Mutterliebe zu ihr fließen lassen.  Ach, ich liebe es!!!

Am nächsten Tag befand ich mich – oh Wunder – in einer ganz ähnlichen Rolle. Wieder ging es um eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung. Diesmal gab es allerdings auch noch einen Sohn, zu dem ich ebenfalls keine Nähe spüren konnte. Das sich so etwas zeigt, ist nicht ungewöhnlich. Es ist ein zentrales Thema, dass in den meisten Aufstellungen auftaucht. Es gibt so viele enttäuschte Erwartungen, verbale und körperliche Verletzungen, Liebesentzug und Traumatisierungen, die zu Narben auf einer Kinderseele führen. Ich begegne wirklich ganz selten Menschen, die solche Erfahrungen nicht gemacht haben. All das prägt uns natürlich und so leiden wir auch als Erwachsene noch unter Verlust-, oder Bindungsängsten, miesem Selbstwertgefühl und mangelnder Selbstliebe. Schwierigkeiten im Umgang zwischen Eltern und Kindern sind also leider fast „normal“. Insofern war es auch diesmal nichts Außergewöhnliches.

Hellhörig wurde ich allerdings in diesem Moment: Ich stehe als „Mutter“ meinen „Kindern“ und auch meinen „Eltern“ gegenüber, als die Stellvertreterin in der Tochterrolle plötzlich sagt:

„Sie guckt so arrogant!“

Diese Teilnehmerin war übrigens am Tag zuvor nicht anwesend. Sie konnte diesen Satz also nicht schon einmal gehört haben. Er entsprach ihrem Empfinden, als sie mich, die mütterliche Stellvertreterin, anschaute. Und prompt nickten auch die Anderen und stimmten ihr zu.

Bei mir geschahen in diesem Moment 2 Dinge parallel. Ich nahm diesen Satz in meiner Rolle wahr und stellte fest, dass ich mich gar nicht so fühlte, als würde ich den Anderen herablassend, oder verächtlich, oder sonst wie abwertend gegenüberstehen. Mein Gesichtsausdruck musste jedoch etwas Anderes widerspiegeln.

Ich fühlte mich doch gerade total alleine gelassen, unverstanden, verletzt und ausgeschlossen! Wie war es da möglich arrogant zu schauen, fragte ich mich.

Gleichzeitig nahm ich die Situation von außen, also als Claudia wahr. Mir war bewusst, dass ich bereits einen Tag zuvor genau die gleiche Aussage gehört hatte. Und ich fragte mich, was das Ganze mit mir persönlich zu tun haben könnte. Denn es kommt ja nicht von ungefähr, wenn einem mehrfach hintereinander das Gleiche passiert. Dieser Sache wollte ich auf den Grund gehen, nahm ich mir vor.

Alles passierte innerhalb von Sekunden und ich besann mich sofort darauf, nicht aus meiner Rolle zu rutschen und spürte mich wieder ganz ein. Ich nahm meine Stimmung allerdings sehr bewusst wahr. Im weiteren Verlauf lösten sich die Knoten Stück für Stück auf und auch hier kam es irgendwann zu einem heilsamen Ende.

Nach diesem Wochenende arbeitete es in mir. Ich dachte viel über das Erlebte nach. Und ich fragte mich auch, ob mir das bekannt vorkommt, was ich da zu hören bekam. Hatte ich das schon als Rückmeldung bekommen, dass mich jemand arrogant fand? Nun – nicht gerade arrogant. Aber was ich früher öfters hörte war, dass ich einen ziemlich abweisenden Gesichtsausdruck haben kann, der nicht gerade dazu einlädt, Kontakt mit mir aufzunehmen. Ja, das ist mir bewusst. Ich bin kein guter Schauspieler. Wenn ich Leuten begegne, die mir unsympathisch sind, dann sieht man mir das auch an. Ich habe absolut kein Pokerface 😉 Selbstverständlich lasse ich es mir im Umgang nicht so anmerken, bin freundlich und höflich. Aber trotzdem transportiere ich die Botschaft über meine Haltung, Mimik und Gestik. Und das ist ja bekanntlich der viel größere Anteil an unserer Kommunikation.

Ich nahm mir die Zeit, das ganze Thema Fremdeinschätzung und Selbsteinschätzung von beiden Seiten zu betrachten:

Ich stehe vier Menschen gegenüber, die meinen Blick als arrogant empfinden. Zum einen war ich total verwundert, denn ich dachte, dass ich eher eine undurchdringliche Mine aufgesetzt hätte. Im besten Falle neutral, abwartend. Ich fühlte mich durch die 4 Personen, die da zusammenstanden

  • Abgelehnt
  • Ausgegrenzt
  • Taxiert
  • Nicht verstanden
  • Vorwurfsvoll angeschaut

MIR ging es überhaupt nicht gut, ich war gerade voller Schmerz, Einsamkeit, Unsicherheit und wünschte mir einfach etwas Verständnis für meine Befindlichkeiten.

Ich wünschte mir, dass sie SEHEN würden, wie schlecht es mir ging. Stattdessen reagierten sie ablehnend und empfanden mich als arrogant. Sehr spannend!

Ich erinnerte mich an einen früheren Vorgesetzten, der auf mich und meine Kollegen ebenfalls total überheblich wirkte. Wir fanden ihn einfach nur arschig und verdrehten jedes Mal die Augen, wenn er sich zu Besuch angemeldet hatte. Am liebsten gingen wir ihm aus dem Weg und hatten so wenig wie möglich mit ihm zu tun. Ich glaube, solche Personen haben wir alle in unserem Umfeld. Mich ärgerte es damals, dass ich mich selbst durch sein Verhalten verunsichern ließ und weil ich gerne den Dingen auf den Grund gehe, nahm ich mir vor, mal genauer hinzusehen. Ich versetze mich gerne in andere Menschen hinein, um sie zu verstehen und nicht ungerecht zu sein. Ich finde, grundsätzlich hat jeder erst einmal eine Chance verdient.

Durch Informationen durch Andere und durch Gespräche, die ich mit diesem Chef führte, ergab sich bald ein anderes Bild:

Er war noch recht jung und wollte sich unbedingt in seiner Position beweisen

Er hatte plötzlich mit teilweise wesentlich älteren Mitarbeitern zu tun, die die Abläufe in der Firma besser kannten.

Er stand in einem ziemlich aufreibenden Spannungsfeld zwischen dem eigenen Vorgesetzten und dem schwierigen Kunden, für den er eingesetzt war.

Er war Vater von zwei kleinen Kindern und hatte sich sogar für eines dieser Kinder Elternteilzeit genommen.

Er arbeitete oft bis spät in die Nacht, telefonierte und schrieb E-Mails und war auch morgens schon früh wieder in der Firma.

Er hatte einen hohen Anspruch an seine eigenen Leistungen und das Gleiche verlangte er auch von allen anderen.

So langsam wurde mir damals klar, dass er keineswegs das Arschloch war, das wir alle in ihm sahen. Er war einfach nur selbst sehr unsicher und gestresst und setzte sich selbst total unter Druck, um erfolgreich zu sein und sich zu beweisen. Gleichzeitig wollte er ein guter Vater sein und seine Frau, so gut wie möglich, unterstützen. Dazu kam noch, dass er eher von kleiner, schmaler Statur war und eher ein „Babyface“ hatte, also wesentlich jünger wirkte. Auch das trug nicht gerade dazu bei, ihm eine natürliche Autorität zu verleihen.

Dieser Blickwechsel konnte das Problem fast verschwinden lassen! (Was ich außerdem gemacht habe, um unser Verhältnis ein für alle Mal positiv zu verändern, verrate ich dir zum Schluss.)

 

„Wenn du etwas nicht ändern kannst, dann ändere deine Einstellung dazu“

 

Aufgrund meiner Erfahrungen habe ich dir hier meine besten Tipps im Umgang mit arroganten Menschen zusammengestellt:

 1. Wir tragen alle unsere Masken

Hand auf’s Herz, bist du wirklich immer locker, offen und charmant, wenn du dich „beobachtet“ fühlst? Gerade dann, wenn wir einen besonders guten Eindruck machen wollen, weil wir unbekannten Menschen gegenüber stehen, oder eine neue Aufgabe übernehmen, sind wir oft unsicher. Da wird dann eine undurchdringliche Mine aufgesetzt, oder besonders laut und schnell gesprochen. Vielleicht ist man aber auch kurz angebunden, hört nicht richtig zu und es wird schon mal besonders betont, was man doch für ein toller Hecht ist. Bloß keine Zweifel an der eigenen Person und den Fähigkeiten aufkommen lassen… Hinter diesem Schutzschild sieht es meist ganz anders aus (siehe meine Beschreibung oben). Mach dir bewusst: WIRKLICH selbstbewusste Menschen haben es nicht nötig, andere niederzumachen, unhöflich zu sein, oder anzugeben. Vielleicht hift dir das schon, dich bei der nächsten Begegnung nicht mehr so klein zu fühlen 🙂

2. Schau dir genau an, was dich stört

Ist es die Art, zu sprechen, wie er dich anschaut, oder sein Benehmen? Vielleicht erinnert er dich einfach nur an jemanden, mit dem du früher unangenehme Erfahrungen gemacht hast.

3. Frage dich: „Was hat das mit MIR zu tun?“

Vielleicht schätzt du dein Gegenüber insgeheim als intelligenter, erfahrener, kompetenter, gutaussehender usw. ein. Wenn du selbst unsicher bist, oder wenig Selbstwertgefühl hast, kann dich jemand mit seinem sicheren Auftreten leicht einschüchtern. Das ist dann aber deine Geschichte, dafür kann der andere nichts. Sei da ganz ehrlich, dir selbst gegenüber. Du musst es ja niemandem erzählen 😉 Aber es kann helfen, wenn du dir deine Stärken bewusst machst.

4. Frage dich: „Was kann ich von ihm lernen?“

Zugegebenermaßen fällt das nicht immer leicht. Aber wir können von JEDEM Menschen lernen. Ist derjenige besonders effizient, analytisch, redegewandt, etc.? Du wirst sehen, dass du die Person gleich anders wahrnimmst.

5. Sprich über deine Gefühle und Gedanken

Wie wäre es zum Beispiel, wenn du sagst: „Ich fühle mich gerade total verunsichert / ratlos, bin aufgeregt…“, oder „Das löst gerade Unbehagen bei mir aus. Ich kann keinen klaren Gedanken fassen. Ich brauche einen Moment Zeit.“ Damit entspannst du dich gleichzeitig selbst, weil du nicht krampfhaft das zu unterdrücken versuchst, was sowieso jeder sieht.

6. Frage dich: „Welches Problem hat die Person im Moment?“

 Vielleicht muss ein eiliges Projekt fertiggestellt werden und sie/er steht selbst sehr unter Druck? Oder sie/er möchte verhindern, dass endlose Diskussionen losbrechen, die seine Entscheidung in Frage stellen? Was würde dir an seiner Stelle weiterhelfen? Mit anderen Worten: Versuche, dich auf seinen Stuhl zu setzen.

7. Lerne die Person besser kennen

Wenn du dir die Mühe machst, ein bisschen mehr über die Person zu erfahren, merkst du, dass sie genauso ein Mensch mit Vorlieben, Abneigungen, Ängsten und Sorgen ist. Zeige echtes Interesse! Frage sie zum Beispiel: „Wie schaffen sie es denn eigentlich, sich nach einem stressigen Arbeitstag zu entspannen?“ Vielleicht entdeckt ihr sogar ein gemeinsames Hobby?

8. Nimm nicht alles persönlich

 Ok, der Andere wirkt grade mies gelaunt, ist kurz angebunden, hat einen schroffen Tonfall drauf… Aber meint er damit wirklich DICH? Du kennst die Geschichte von dem Mann der vom Chef angeschrien wird, zuhause seine Frau anraunzt, die wieder das Kind und so fort. Wenn du dir keines Fehlers bewusst bist, lass es an dir abprallen.

9. Suche ein Gespräch unter 4 Augen

Bitte um ein Treffen und schneide das, was dich bedrückt an. Auch hier ist es wichtig, nicht in Vorwürfe zu verfallen, sondern das auszudrücken, was die Art deines Gegenübers in dir auslöst. Wie wäre es, wenn du mit der Frage beginnst: „Wie sehen sie mich eigentlich?“, oder „Was kann ich ihrer Meinung nach besser machen?“ Solch eine Offenheit wirkt beeindruckend und entwaffnend.

10. Setze klare Grenzen

 Es kommt trotzdem immer wieder vor, dass dich jemand von oben herunter, oder mit aggressivem Ton behandelt – womöglich noch vor Anderen? Mache ihm klar, dass du gerne auf ihn eingehst, du dir aber einen sachlichen Austausch in angemessenen Tonfall wünschst. Das du dabei selbst sachlich bleibst und einen ruhigen Ton anschlägst, versteht sich ja von selbst, nicht wahr? 😉

11. Ziehe Konsequenzen

 Du hast alles versucht und bist trotzdem nicht weitergekommen? Dann wird es Zeit, etwas zu ändern.

Akzeptiere, dass der andere offensichtlich nicht in der Lage ist, vernünftig mit anderen Menschen umzugehen.

Lass dich versetzen, kündige den Job, beende die Freundschaft, trenne dich vom übergriffigen Partner.

Das bist du dir selbst schuldig!

Und vor allen Dingen: Warte nicht zu lange damit! Setze dir eine Frist und dann handle.

Denn sonst leidet dein Selbstwertgefühl irgendwann so sehr unter dieser Behandlung, dass du nur noch mies gelaunt durch die Welt läufst. Dann kann es passieren, dass du auf einmal hörst, dass jemand sagt: „Boah, mit der/dem ist es einfach nicht zum Aushalten…“

 

Ach ja, du willst noch wissen, wie ich es geschafft habe mit meinem Chef klarzukommen?

Ich habe mir vorgestellt, wie ich mich ihm gegenüber verhalten würde, wenn er mein Kind wäre. Und da habe ich ihn einfach gedanklich in den Arm genommen.

Klingt vielleicht komisch, ist aber eine tolle Übung. Probiere es mal aus. Du kannst dir auch vorstellen, dass der Andere ein kleiner Bruder, oder eine Schwester von dir ist.

Entscheidend ist, dass Du es mit LIEBE tust.

Ab diesem Zeitpunkt war jedenfalls mein ganzer Brass auf ihn verflogen. Und wie durch ein Wunder war er schon beim nächsten Mal viel lockerer 🙂

*****

Welche Erfahrungen hast du im Umgang mit arroganten, oder schwierigen Menschen gemacht?

Hast du auch noch einen guten Tipp?

Ich freue mich, wenn du mir einen Kommentar dazu schreibst. Danke!

 

Wenn du selbst noch so eine Nuss zu knacken hast, dann schreib mir eine Mail. Ich unterstütze dich gerne dabei.

Das klappt sogar per Telefon, oder Skype.

Alle Kontaktdaten findest du auf meiner Homepage:

http://www.claudiakarsunke.com

 

Herzliche Grüße

Claudia

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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