Mein Körper ist ein heiliger Tempel

Ich liege im Bett und höre den Grummelgeräuschen in meinem Bauch zu. Ganz schön laut geht es da drinnen zu. Ich lege die Hand auf meine Bauchdecke und kann die Bewegungen, die durch meine Darmtätigkeit entstehen, spüren. Ein Grinsen macht sich breit. Wie schön, dass da hörbar und spürbar etwas in Gang kommt.

Vor drei Tagen habe ich begonnen, eine Darmentgiftung zu machen. Ich hatte schon länger das Bedürfnis, meinen Körper von überflüssigem Ballast zu befreien und ihm einen gründlichen inneren Hausputz zu gönnen. Im letzten Jahr hatte ich diese Erfahrung bereits schon einmal gemacht und ich war begeistert davon, wie wohl ich mich dabei fühlte und welche Energiereserven, einerseits durch die Reinigung und andererseits durch die bewusstere Ernährung in dieser Zeit, freigesetzt wurden.

Als eine befreundete Heilpraktikerin mir von ihren tollen Erfolgen bei ihrer eigenen Darmsanierung, die sie gerade gemacht hatte, erzählte, war das genau der Wink, auf den ich gewartet hatte. Kurzerhand bestellte ich mir die entsprechenden Produkte zur Unterstützung und habe nun das Reinigungsprogramm gestartet. Ich kann nur sagen: Es fühlt sich toll an!

Es tut mir gut, etwas für meinen Körper zu tun, damit er weiterhin seine tolle Arbeit so zuverlässig verrichten kann, wie bisher. Die Vorstellung, dass nun in meinem Darm der – im wahrsten Sinne – „ganze alte Scheiß“ ausgeräumt wird, befriedigt mich. Mittlerweile wissen wir ja alle, wie wichtig unser Darm für unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit ist. Die Wissenschaftler sprechen mittlerweile sogar davon, dass unser Verdauungstrakt ein eigenes Gehirn hat. Er ist durch 100 Millionen Nervenzellen mit unserem Körper und Gehirn verbunden. Ist das nicht der Wahnsinn? Hier findet ein permanenter Austausch statt. Deswegen ist es auch nicht verwunderlich, dass es uns auch physisch und psychisch bessergeht, wenn der Darm gesund ist.

Immer wieder bin ich fasziniert von diesen grandiosen Zusammenhängen und Abläufen in meinem Körper, die dafür sorgen, dass ich gut leben kann.

Ich habe richtig viel Glück mit der Ausstattung, die mir Mutter Natur da mitgegeben hat. Bisher hatte ich keine schweren Krankheiten, keine Brüche, oder sonstige große Verletzungen. Wenn doch einmal etwas nicht stimmt, verfüge ich über unglaubliche Selbstheilungskräfte. Die sorgen in nullkommanix dafür, dass Medikamente, oder Heilungsmethoden super anschlagen und es mir wieder gut geht. Schmerzen habe ich ganz selten. Ich kann mich noch uneingeschränkt bewegen und bin auch mit meiner Figur und Gesamterscheinung zufrieden. Das war allerdings nicht immer so. Früher fand ich mich zu klein, meine Haut zu weich, meine Haare zu dick und widerspenstig, meine Taille nicht schmal genug… Na ja, du kennst sicher die ganze Liste, die frau daran hindert, zufrieden mit sich zu sein 😉

Bereits mit 18 Jahren haderte ich mit den ersten Krampfadern und mit meinem weichen Bindegewebe. Das wurde mit zunehmenden Alter und später, durch die Geburten von zwei Kindern, natürlich nicht besser. Obwohl ich immer mehr oder weniger schlank war, störten mich die dunklen Linien an den Waden und das Fettpölsterchen im Bauchbereich. Also ließ ich irgendwann die Krampfadern jedes Jahr veröden und schenkte mir zum 40. Geburtstag eine Fettabsaugung, mit anschließender Bauchstraffung. Die Operation ist super gelungen, heute ist nur eine ganz feine Narbe zu sehen. Allerdings über die gesamte Breite des Bauches. Und ich habe dadurch eine gewisse Taubheit, rund um die Region des Bauchnabels, zurückbehalten. Tja, alles im Leben hat seinen Preis…

So zufrieden ich mit dem Gesamtergebnis auch bin, wenn ich mich jetzt frage: „Würde ich es heute noch einmal machen lassen?“, wäre die Antwort ein klares NEIN. Warum? Weil sich die Einstellung zu meinem Körper völlig verändert hat! Warum war es mir damals so wichtig, bloß kein Bäuchlein zu haben? Irgendwie fühlte ich mich total unwohl mit meinen Rundungen. Mit dem, für die Kleidergrößen 36 – 40, sehr großen Busen und der Wölbung unterhalb der Taille, die sich da unter dem Hosenbund abzeichnete. Früher war ich immer stolz auf meine zierliche Figur und mein schmales Becken gewesen. Obwohl ich gar nicht so sportlich war, wurde ich stets so eingeschätzt. Das gefiel mir! Jedenfalls viel besser, als alles, was mit meinen weichen Formen zu tun hatte. Mit den Attributen ‚weiblich‘, oder gar ‚mütterlich‘, wollte ich nicht in Verbindung gebracht werden.

Als Kind war ich eher der wilde Rabauke, der mit kurzen Haaren und Hosen oft für einen Jungen gehalten wurde. In dieser Rolle fühlte ich mich wohl. Klar, war ich stolz auf meinen Busen, der sich irgendwann in der Pubertät entwickelte. Ich ließ meine Haare wachsen und verbrachte Stunden vor dem Spiegel, um die Veränderungen, die da passierten, kritisch zu begutachten. Aber irgendwann war mir das nicht mehr so wichtig. Ich war mehr der pragmatische Typ Mädchen. Kleidung sollte bequem sein, also trug ich meistens Hosen. Und mit Makeup und Frisuren wollte ich mich nicht unnötig lange beschäftigen. Ich glaube, dass ich mich damals nicht sehr weiblich empfunden habe. Ich verhielt mich auch nicht so.

Ich gehörte nicht zu den jungen Frauen, die mit ihren weiblichen Reizen kokettierten und sich verführerisch gaben. Ich war eher der Kumpeltyp, mit dem man Pferde stehlen konnte, der zuverlässig war und der sich unkompliziert in jede Situation anpasste. Meinem Körper schenkte ich keine große Beachtung. Er war da, wurde gefüttert, gesäubert und bewegt. Friseurbesuche waren noch ok, aber Hand- und Fußpflege, Massage, Training, Entspannungsübungen, bewusstes Essen? Fehlanzeige! Bloß kein unnötiges Gedöns!

Das änderte sich erst, als ich mit Ende 30 einem Mann begegnete, der mein Leben völlig umkrempelte. Durch ihn entdeckte ich, dass mein Körper viel mehr ist, als eine Ansammlung von Haut, Knochen, Muskeln, Nerven und Organen, die einfach einen guten Job machen, um mich durchs Leben zu tragen. Es eröffnete sich mir eine ganz neue Welt. Niemals zuvor hatte ich mich so sehr GESPÜRT. Mein Körper wurde zum Tempel der Lust. Neugierig ließ ich mich auf das spielerische und spannende Spiel der Selbstentdeckung ein.

Plötzlich hatte ich Spaß daran, schöne Spitzenunterwäsche und Kleider zu tragen. Ich präsentierte stolz mein üppiges Dekolleté und meine schlanken Beine. Ich spielte mit meinen weiblichen Reizen. Probierte mich aus, als Verführerin, Untertanin, Geliebte und Hure. Auf einmal merkte ich, wie sensibel meine Empfindungen waren. Schon kleinste Berührungen konnten extrem prickelnd und erotisch, aber auch sehr schmerzhaft, oder unangenehm sein. Früher war ich immer mehr oder weniger achtlos mit meinen Wahrnehmungen umgegangen. Obwohl ich bereits zweifache Mutter war, fühlte ich mich zum ersten Mal in meinem Leben wirklich als Frau. Begehrenswert und sinnlich. Es war die erste Erweckung.

Die zweite kam sehr unsanft. Nämlich dann, als diese Beziehung auseinanderging. Ich war 49 Jahre, als eine Frau meinen Platz einnahm, die 25 Jahre jünger war als ich. Ein heftiger Schlag, in einer Zeit, als ich die ersten sichtbaren und fühlbaren Anzeichen des Älterwerdens nicht mehr ignorieren konnte. Mittlerweile hatte sich mein Körper wieder verändert. Die ersten grauen Haare waren da und mittlerweile hatten sich einige Falten tiefer eingegraben, als mir lieb war. Ich mochte keine ärmellosen Kleider und T-Shirts mehr tragen, weil die Haut an den Oberarmen anfing auszuleiern. Nein, auch ich war nicht gefeit vor dem gefürchteten „Winkfleisch“ – gruselig ☹.

Mit 46 Jahren hatte meine Periode langsam nachgelassen. Es gab nur für einen kurzen Zeitraum Unregelmäßigkeiten, irgendwann hörte sie ganz auf. Das war allerdings nichts, worum ich böse war. Zwischendurch gab es eine kurze Phase, in der ich unter Schweißausbrüchen litt. Aber das war auszuhalten und ging schnell vorüber. Ein paar Stimmungsschwankungen gab es, aber insgesamt war ich seelisch in dieser bedeutenden Umbruchphase recht stabil. Bis zum Zeitpunkt der Trennung.

Plötzlich fühlte ich mich alt, verbraucht und unattraktiv. Das war’s jetzt! Von nun an konnte es ja nur noch bergab gehen. Meine Zeit als Frau, die von der Männerwelt noch wahrgenommen wird, war definitiv vorbei! Mein Körper würde weiter verfallen und zum Wrack werden. Kein Mann würde mich noch einmal begehren. Dieser Teil meines Lebens war endgültig vorüber. Aus – Schluss – Punkt.

Nachdem ich eine Zeit lang einfach am Boden lag und zu nichts fähig war, regte sich doch irgendwann mein Kampfgeist wieder. Ich begann, mich intensiv mit mir auseinander zu setzen und mein Leben unter die Lupe zu nehmen. Damals wurde mir bewusst, wie sehr ich mich immer meinen jeweiligen Partnern angepasst hatte. Ich hatte mich abhängig gemacht von ihrer Wertschätzung. Ich war Ehefrau, Freundin, Geschäftspartnerin, Unterstützerin, Mutter, Geliebte und was sonst noch gefragt war. Ich hatte mich für den Preis des Nicht-alleine-seins mit Leib und Seele verkauft. Immer wieder.

Und – das musste ich mir leider auch eingestehen – wenn ich mich sicher in einer Beziehung aufgehoben fühlte, vernachlässigte ich mein Äußeres nach und nach. Nichts Dramatisches. Aber die Kleidung wurde immer lässiger. Es war mehr bequem, als sexy angesagt. Ich nahm im Laufe der Zeit immer ein paar Kilos zu. Es schmeckte halt so gut, ich war schon immer eine gute Esserin. Und – mal ganz ehrlich – Kleidergröße 40 ist ja immer noch sehr akzeptabel, oder? Trotzdem hasste ich mich insgeheim dafür, dass ich mich dazu hinreißen ließ, es soweit kommen zu lassen, dass ich mich nicht mehr wohlfühlte, in meiner Haut. Super sportlich war ich sowieso nie und irgendwann zog ich mich von gemeinsamen sportlichen Aktivitäten zurück.

Langsam dämmerte es mir: Mich hübsch anziehen, auf meine Figur achten, Sport machen, meinen Körper verwöhnen, hatte ich nie wirklich für MICH gemacht. Sondern meistens nur für die Männer. Um IHNEN zu gefallen! Wenn ich mir ihrer sicher war, hatte ich diese Bedürfnisse nicht mehr. Ich war mir selbst nicht wichtig genug! Ich nahm meine Gesundheit und das gute Funktionieren als selbstverständlich wahr. Ich machte mir nicht die Mühe, mich um MEINETWEGEN um mich selbst zu kümmern.

Ich begann mich damit auseinanderzusetzen, was WEIBLICHKEIT und FRAUSEIN für mich bedeutete. Ich fing an, die Hintergründe zu verstehen, warum ich diesen Teil in mir so lange abgelehnt hatte.

Ich begann mich damit auszusöhnen und fing an, mich zum ersten Mal in meinem Leben wirklich selbst als Frau zu lieben.

Damit veränderte sich natürlich auch das Verhältnis zu meinem Körper. Ich behandelte ihn liebevoller. Ich genoss die Wahrnehmungen mit allen Sinnen, die er mir auf vielfältige Weise ermöglichte. Ich empfand eine tiefe Dankbarkeit, dass er mir all die Jahre so unkompliziert und zuverlässig gute Dienste geleistet hatte.

Nie hatte ich großartige Schwierigkeiten mit all dem ‚Frauenkram‘. Meine Perioden kamen immer zuverlässig. Ich hatte keine Schmerzen, oder andere Unpässlichkeiten durch meinen Zyklus. Beim Sex lief immer alles wie geschmiert. Später, als ich Kinder haben wollte, setzte ich die Pille ab und war bereits nach einem Vierteljahr mit dem ersten Kind schwanger. Das zweite kam 16 Monate später zur Welt. Beide Schwangerschaften verliefen reibungslos. Ich fühlte mich immer total wohl, nie litt ich unter Übelkeit. Die Geburten erfolgten auf normalem Wege, ohne Kaiserschnitt. Ich konnte stillen und wurde die Kilos, die sich jeweils angesammelt hatten, wieder los. Auch der Übergang in die Phase der Menopause verlief undramatisch.

Alles was mich als Frau und Mutter ausmachte, lief einfach wunderbar, weil mein Körper so toll mitspielte.

Ich begann zu begreifen, mit welch wunderbarem Geschenk ich da gesegnet bin. War es da nicht an der Zeit, ihm all die Dankbarkeit und Zuwendung zukommen zu lassen, die er dafür verdient hatte?

Ich fing an, mich mit anderen Augen zu sehen, zu behandeln und auch zu fühlen. Zum ersten Mal nahm ich mir richtig Zeit, mich mit meinem Körper zu beschäftigen:

Was gefällt mir richtig gut an mir?

Wie fühlt es sich auf meiner Haut an, wenn ich unter der Dusche stehe?

Wie, wenn ich mich anschließend eincreme?

Welche Sinne sind besonders gut ausgeprägt?

Was erregt mich sexuell?

Was empfinde ich als unangenehm?

Welches Essen bekommt mir gut?

Wie geht es mir gerade?

Was brauche ich?

Behutsam entdeckte ich mich Stück für Stück neu. Ich berührte mich, streichelte mich, liebkoste mich. Ich spürte mich draußen in der Natur. Nahm den Regen und den Wind auf meiner Haut, und den Boden unter meinen Füßen wahr. Achtete auf meinen Atem. Auf alle Empfindungen und Signale, die mir mein Körper sendete, wenn er mich darauf aufmerksam machen wollte, dass ich ungesund lebte, oder mich überforderte. Ich versöhnte mich mit den Dingen, mit denen ich bisher unzufrieden war.

Mir hat damals sehr geholfen, dass ich mit Yoga anfing und wieder einen Tanzkurs besuchte. So konnte ich mich auf ganz unterschiedliche Weise ausprobieren und ein ganz neues Körperbewusstsein entwickeln.

Je mehr ich mich mit mir beschäftigte, desto dankbarer wurde ich. Wie großartig und einzigartig ist diese menschliche Hülle, die mich hier durch mein Leben begleitet. Sie ermöglicht mir, mich zu bewegen, auszudrücken, neue Dinge zu entdecken und mich mit anderen Menschen zu verbinden. Wie viel Spaß hatte ich schon damit! All mein Denken, Fühlen und Handeln wirkt sich auf meine Erscheinung aus und umgekehrt.

Ich habe nicht nur einen Körper – ICH BIN MEIN Körper.

Heute behandele ich ihn voller Ehrfurcht und mit viel Liebe.

Ich stelle mir vor, dass er wie ein Tempel ist. Ein heiliger Ort, der nur mir ganz alleine gehört.

Dieser Tempel muss gut gepflegt und instandgehalten werden. Er muss geschützt werden, damit er nicht zerstört wird. Er wird innen und außen geschmückt, damit ich mich gerne darin aufhalte und andere Menschen dazu einlade, mich zu besuchen. Ich entscheide, wer ihm nahekommen darf. Ich bestimme, wem ich gestatte in mein intimstes Inneres vorzudringen. Manchmal braucht er Zeiten der Ruhe. Und manchmal dürfen ausgelassene Feste darin gefeiert werden, so dass es nur so vibriert.

Mir wurde dieser Tempel geschenkt und es liegt in meiner Verantwortung, wie ich mit ihm umgehe. Er besitzt ein solides Fundament. Und er verzeiht mir Fehler, ohne gleich zusammenzubrechen. Aber er verdient es, mit viel Achtsamkeit behandelt zu werden. Er belohnt mich dafür, indem er sich für all die Aufmerksamkeiten bedankt und mich strahlen lässt.

Ich werde nicht verhindern können, dass man ihm sein Alter ansieht. Vielleicht werden Teile von ihm irgendwann nicht mehr richtig funktionieren und auch nicht mehr zu reparieren sein. Das ist nicht schlimm. Wichtig ist, dass ich mich darin wohlfühle und meinen Frieden darin finde.

Denn in diesem Leben gehören wir beide untrennbar zusammen.

***

Wie ist das bei dir?

Haderst du noch mit deinem Körper?

Bist du unzufrieden und mäkelst du an ihm herum?

Oder hast du auch deinen Weg gefunden, wie du dich wohl in ihm fühlst?

Führst du eine Liebesbeziehung mit ihm?

 

Ich freue mich, wenn du mich an deinen Erfahrungen teilhaben lässt, indem du einen Kommentar schreibst.

Wenn du nach einem Weg suchst, wie du dich mit deinem Körper aussöhnen kannst, dann schreib mir eine Mail. Ich unterstütze dich gerne dabei. Das klappt sogar per Telefon, oder Skype.

Alle Kontaktdaten findest du auf meiner Homepage:

http://www.claudiakarsunke.com

Lass es dir gut gehen und genieße das Leben.

Herzliche Grüße

Claudia

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